Nach monatelangem Suchen und vielen Utopischen Angeboten von bis zu 150,00 € für einen Vortrag über Hildegard von Bingen, erklärte sich ein Mitglied bereit, sich Fachbücher zu holen und sich in die Materie einzuarbeiten um uns einen Vortrag zu repräsentieren.

Pünktlich begann unsere Referentin Frau Marliese Studt mit Ihrem Vortrag über Hildegard von Bingen.

Hildegard von Bingen war keine gewöhnliche Frau. Sie beobachtete die Erscheinungen und Vorgänge um sich herum und versuchte sich in die Geheimnisse ihrer Umwelt, um Gott, den Ursprung allen Lebens zu finden.

Sie lebte im 12. Jahrhundert, dem Hochmittelalter, zu einer Zeit, in der das öffentliche Wirken einer Frau als höchst unschicklich galt und nicht gerne gesehen wurde.

Hildegard war überzeugt davon, dass Gott sich in jeden Heilungsprozess einschaltete. In ihrer Heilkunde weist sie ausdrücklich auf den Zusammenhang zwischen Körper, Geist und Seele hin. Sie war ohne Zweifel eine der bedeutensten deutschen Mystikerinnen des Mittelalters.

Der Ausdruck „Mystik“ (von griechisch , mystikόs, geheimnisvoll) bezeichnet Berichte und Aussagen über die Erfahrung einer göttlichen oder absoluten Wirklichkeit, sowie die Bemühungen um eine solche Erfahrung.

Hildegard wurde 1098 als zehntes Kind des Edelfreien Hildebert von Bremersheim und seiner Frau Mechthild geboren und entstammte somit einem alten, angesehenen  Adelsgeschlecht aus der Nähe von Alzey in Rheinhessen. Sie war ein zartes, kränkliches Mädchen mit einem hellen Verstand und entwickelte schon früh seherische Fähigkeiten. Bereits mit drei Jahren hatte sie ihre erste Vision und bis zum fünften Lebensjahr sah sie manches, das sie – wie kleine Kinder so sind – munter ausplauderte. Sie wunderte sich über die seltsamen Reaktionen der Erwachsenen. Einmal soll sie sogar die Fellmakierung eines ungeborenen Kälbchens vorher gesagt haben. Die tiefgläubigen Eltern hatten zu dem Zeitpunkt bereits beschlossen, Hildegard als ihr zehntes Kind Gott zu weihen. Später entschieden sich drei weitere Geschwister, ihr Leben Gott zu widmen: Hugo wurde Domkantor in Mainz, Rorich Kanoniker in Tholey und Clementina Nonne im Kloster Rupertsberg.

Mit acht Jahren wurde die sensible Hildegard ins nahe Kloster Disibodenberg geschickt. Dort hatte Jutta von Sponheim, die Tochter eines befreundeten Adels-geschlechtes, gerade eine Frauenklause eingerichtet, in der sie Mädchen zur Ausbildung aufnahm. Im Jahr 1108 begannen Benediktinermönche aus Mainz auf dem Disibodenberg mit dem Bau einer neuen Klosteranlage, in der Jutta von Sponheim als Klausnerin zusammen mit Hildegard und zwei weiteren Mädchen einzog.

Benediktinerklöster waren zur damaligen Zeit wahre Hochburgen der Wissenschaft und Kunst.

Hildegard von Bingen konnte Lesen und Schreiben und hatte Grundkenntnisse in Latein. Ihre Lehrmeister waren Jutta von Sponheim und der Mönch Vollmar, der später ihr Sekretär wurde. Er beantwortete die vielseitigen Fragen, die sie hatte und so eignete sie sich als wissbegieriges Mädchen sehr schnell umfassende Kenntnisse an. Zwischen ihrem 14. und 17. Lebensjahr entschied sie sich das Ordensgelübde als Benediktinernonne abzulegen. 1136 starb Jutta von Sponheim und Hildegard wurde zur Meisterin der Nonnen des Klosters Disibodenberg. Um 1141 befahl ihr Gott in einer Vision ihre  weiteren Visionen nieder zu schreiben. So entstand „Wisse die Wege (Scivias) und Buch der Lebensverdienste (Liber Vitae Meritorum).

Sie hatte auch Visionen im Medizinischen. Diese Visionen sind heute zum Teil bekannt unter dem Titel „Causae et curae“ (Ursachen und Behandlung der Krankheiten), der andere als „Physica (Heilmittel der Natur). Darin sind die Heilkräfte von rund 500 Pflanzen und Bäumen, Tieren, Fischen und Edelsteinen beschrieben. Eines der Kapitel befasst sich mit Dinkel und zahlreiche Empfehlungen für eine richtige Ernährung.

Die Hildegard-Medizin basiert auf fünf Säulen für eine gesunde Lebensführung:

  1. Kräuterheilkunde: nach Hildegard Ansicht sind heilende Kräfte überall in der Natur zu finden, man muss nur wissen wo man sucht. Auch viele Produkte tierischen Ursprungs und Mineralien haben heilende Eigenschaften.
  2. Ernährungslehre: Maß halten! Eine ausgewogene, maßvolle Ernährung ist der Stützpfeiler eines gesunden Lebens. Eine besondere Bedeutung kam dem Dinkel zu.
  3. Ausleitungsverfahren: Aderlass oder Schröpfen zur inneren Reinigung des Organismus waren wichtig. Aber auch das Fasten.
  4. Regeneration des Organismus: Leben im Rhythmus! Jeder Mensch soll nach seinem eigenen Rhythmus leben.
  5. Seelische Reinigung: Der Geist im Einklang mit dem Körper! Ihrer Ansicht nach waren Gebet, Meditation und Musik hilfreich.

Die Behandlungsmethoden von Hildegard von Bingen z. B.: die Edelsteintherapie gilt heute als medizinisch überholt. Trotzdem sind enormen medizinischen Kenntnissen von ihr nicht von der Hand zu weisen. Ihre Gesundheitslehre war ein System, was man heute als ganzheitliche Medizin betrachten würde. Mit dieser steht sie heute nicht mehr allein da, denn man findet sie in vielen der aktuellen Naturheilverfahren wieder.

 

Um 17.00 Uhr war der Vortrag fertig und wir machten unsere Mitgliederversammlung laut Einladung.