Am 06.06.2015 um 14.30 Uhr begann Frau Göhl-Roch mit Ihrem Vortrag: Was ist Diabetes? Mit Hilfe eines Overhead-Projektors und einigen Folien versprach es ein interessanter Vortrag zu werden. Es waren zahlreiche Gruppenmitglieder wieder erschienen.

Was ist Diabetes?

Eigentlich Diabetes mellitus = honigsüßer Durchfluss.

Unser Verdauungsapparat baut die in der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate zu Glukose (Traubenzucker) ab, die wird über die Darmwand ins Blut abgegeben und im Körper verteilt. Die Bauchspeicheldrüse produziert das Hormon Insulin, was als Botenstoff den Transport von Glukose ins Zellinnere tätigt. Glukose wird in den Zellen (Muskeln, Gehirn) als Energie benötigt. Glukose wird auch in der Leber und in den Muskelzellen gespeichert, wodurch der Blutzuckerspiegel nach Nahrungsaufnahme konstant bleibt.  Wird zu wenig oder gar kein Insulin mehr produziert, wird dieser Austausch nicht mehr richtig geregelt. Die Glukose bleibt im Blut und es kommt zu einem Überschuss an Zucker im Blut, was mit dem Urin ausgeschieden wird.

Ist bei einer Blutentnahme der Blutzucker zu hoch, veranlasst der Hausarzt einen Glukose Toleranz Test. Bei dem Test bekommt man nüchtern den Blutzuckerspiegel gemessen, dann gibt es eine extrem süße Flüssigkeit (300ml Wasser mit 75 g Zucker), die man innerhalb von 5 Minuten trinken muss. Nach einer Stunde und nach 2 Stunden wird der Blutzuckerspiegel noch einmal gemessen. Dazwischen muss man ganz ruhig sitzen bleiben. Dieser Test zeigt ob man Diabetes hat oder nicht.

Diabetes ist nicht heilbar, aber kann hat heute ein fast normales Leben, dank der verschiedensten Insulinarten führen.

Früher hatte man eine gute Lebensqualität nur bei einem Leben nach Uhrzeit.

07.00 Uhr Insulin spritzen

07.30 Uhr Frühstück

10.00 Uhr Zwischenmahlzeit

12.00 Uhr Mittagessen

15.00 Uhr Zwischenmahlzeit

16.30 Insulin spritzen

17.00 Uhr Abendessen

21.00 Uhr Spätmahlzeit.

Dieses Lebensschema gibt es dank Forschung und mehreren Insulinarten nicht mehr. Insulin wird heute synthetisch hergestellt. Heutzutage bekommt jeder Patient mit Diabetes erst einmal eine Schulung, in der er lernt, wie er mit seinem Blutzucker umgehen muss, wie er ihn zu Hause selbst misst und dann sich das Insulin je nach Wert individuell spritzt, er lernt die Fähigkeit die Menge an Kohlenhydraten in der Nahrung einzuschätzen, er lernt auch den Unterschied der Symptome von Unterzuckerung und hoher Blutzuckerspiegel kennen. Als Patient ist man jetzt flexibler, man kann in Urlaub fahren, Schicht arbeiten usw. Jeder Diabetiker ist einem speziellen Diabetikerprogramm drin, wo er wie bei einer Vorsorge regelmäßig (alle 3 Monate) zum Arzt muss und er Blutzuckerspiegel, die Spritzstellen und die Füße kontrolliert werden.

Man benötigt im Sommer weniger Insulin, da unser Unterhautfettgewebe besser durchblutet wird als im Winter, genauso bei einem Saunabesuch. Auch körperliche Aktivität ist sehr wichtig, aber nur so, wie jeder individuell für sich verantworten kann. Bei körperlicher Aktivität (muss keine Hochleistungssport sein, Spazieren gehen, wandern reicht schon) wird der Zucker weniger in der Leber gespeichert, er geht in die Muskel Zellen zur Energie Verarbeitung. Dadurch schreitet die Krankheit nicht so schnell voran. Es gibt da z. B. Funktionstraining, Reha Sport bei der Rheumaliga.

Zwischen 22.00 Uhr und 3.00 Uhr legt unser Körper eine Ruhephase ein, er produziert weniger körpereigene Hormone (Adrenalin, Wachstumshormon, Glukose und Cortison), weswegen um 3.00 Uhr der Blutzuckerspiegel, Blutdruck und Cortisonspiegel am niedrigsten ist.

Bei Patienten mit einer kurzfristig hohen Cortisondosis können erstmals die Blutzuckerwerte ansteigen. Es sollte kontrolliert werden. Wenn dann der Blutzuckerspiegel immer noch erhöht ist, ist es in der Regel so, dass Patienten mit Cortison Therapie  Insulin bekommen. Sind die Nierenwerte bei den Patienten in Ordnung, gibt man Metformin um die Körperzellen für Insulin wieder sensibler zu machen. Aber nur bei gesunden Nierenwerten. Bei dieser Therapie mit Cortison und Insulin erreicht man eigentlich nie zufrieden stellende Blutzuckerwerte, weil man nicht weiß bzw. abschätzen kann wie hoch das Insulin durch das Cortison gehen kann. Es ist eigentlich eine Gradwanderung, bei der man nur „Schadensbegrenzung“ machen kann. In den meisten Fällen geht der Diabetes nach Absetzen und ausgeschlichenem Cortison aus dem Körper wieder weg.

Dann beendete ein Stromausfall in Bad Kreuznach den Vortrag. Frau Göhl-Roch erzählte uns dann noch einige Anekdoten aus Ihrem beruflichen Alltag in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis.

Um 17.30 Uhr beendeten wir unser Gruppentreffen.